Center für Integrative Therapie



Herzratenvariabilitäts-Training

(HRV)


(englischer Fachbegriff: heart rate variability)

Unter Herzratenvariabilität versteht man die Veränderung des zeitlichen Abstands zwischen zwei Herzschlägen (Schwankungsbreite des Herzschlags). Je nach Belastung (körperlich oder psychisch) nimmt die Herzschlagfrequenz zu oder ab (Entspannung). Die Herzschlagfrequenz ist mit speziellen Geräten messbar und kann für den Patienten auf einem Monitor sichtbar gemacht werden.

Der Herzrhythmus kann willentlich durch Tiefenatmung beeinflusst werden. Das heißt, unsere Patienten trainieren, dass sich Atmung und Herzfrequenz einander annähern und schließlich synchron, also gleichlaufend, zueinander verhalten. Auch dieser Zusammenhang zwischen Herzfrequenz und Atemfrequenz, der in der Fachsprache „Kohärenz“ genannt wird, ist messbar und wird für unsere Patienten auf dem Monitor sichtbar dargestellt. 

Bei der Atmung greift folgender Mechanismus: Beim Einatmen strömt frischer Sauerstoff in unsere Lungen, beim Ausatmen entfernen wir Kohlendioxid aus unserem Körper. Kohlendioxid ist ein Abfallprodukt der Zellatmung, das im Bindegewebe eingelagert wird, wenn zu wenig davon ausgeschieden wird. Es kann dort bei längerer Lagerung Schmerzen verursachen. HRV-Training unterstützt den vermehrten Abbau bzw. die Ausscheidung von schädlichem Kohlendioxid durch die Atmung. 

Die Synchronisierung von Atmung und Herzfrequenz wirkt sich darüber hinaus auch positiv auf die Wechselwirkung der Hormone DHEA und Cortisol aus. 

Cortisol wird von der Nebennierenrinde produziert. Es dient u.a. der schnellen Bereitstellung von Energie, dem Fettabbau und wirkt antientzündlich. Cortisol wird in der Nacht produziert, so dass seine Konzentration morgens am höchsten ist und im Verlauf des Tages wieder abnimmt. 

Cortisol kennen wir hauptsächlich als „Stresshormon“, weil bei akutem Stress wesentlich mehr Cortisol ausgeschüttet wird als im stressfreien Zustand. Das kann körperlicher Stress sein wie beispielsweise der Kampf ums Überleben (uns als Kampf-oder-Flucht-Reaktion bekannt) oder aber psychischer Stress (die Schwiegermutter kommt zu Besuch). Normalerweise nimmt die Cortisolkonzentration wieder ab, sobald das jeweilige Stressereignis überstanden ist und der Körper sich wieder entspannt. Chronischer Stress jedoch hat dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel und dadurch ausgelöst negative Auswirkungen auf unseren Körper zur Folge, darunter u.a. eine dauerhafte muskuläre Stressreaktion. Diese wiederum erzeugt Schmerzen auf Grund dauerhafter Muskelverspannungen und -verhärtungen. Unsere natürliche Entspannungsreaktion funktioniert nicht mehr.

DHEA (DeHydroEpiAndosteron), ist ein wichtiges Vitalitätshormon, das vorwiegend in der Nebennierenrinde, aber auch im zentralen Nervensystem (ZNS) und in den Eierstöcken produziert wird. DHEA ist der Gegenspieler des Cortisol. Es „fährt“ den Körper wieder herunter, sobald keine größeren Aktivitäten mehr gebraucht werden. Diese positive Wirkung greift dann nicht mehr, wenn der Cortisolspiegel (stressbedingt) so hoch ist, dass das DHEA-Hormon keine Chance mehr zur Herunterregulierung hat.

Mit unserem HRV-Training gehen wir den Schmerz also über den „Umweg“ der Stressbewältigung an. Wir lernen, richtig zu atmen und durch die Atmung schädliches Kohlendioxid abzubauen. Wir lernen darüber hinaus, unsere Atem- und Herzfrequenz gleichzuschalten. Dadurch erreichen wir, dass wieder eine Entspannungsreaktion bei uns einsetzt, die auf Grund von chronischem Stress nicht mehr funktioniert hat. So reduzieren wir chronischen Stress. Der Abbau von Stress trägt dazu bei, die überhöhte Cortisolkonzentration zu vermindern und auf ein Normalmaß zurückzuführen.

So führt die Synchronisierung von Atmung und Herzfrequenz also nicht nur dazu, dass Anspannungen abgebaut, Gelassenheit gefördert und Stress besser bewältigt werden, sondern unterstützt auch das Ziel der Schmerzfreiheit. Der Patient kann das HRV-Training überall und jederzeit in seinen Alltag einbauen.

empty